Straßen aus Eis

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  • (1) Eisstraße durch die nordrussische Tundra. Mit Spritzwasser, das am Boden zu Eis gefriert wird eine Fahrbahn durch sonst unwegsames Gelände geschaffen. Mit dem Tauwetter im Frühjahr verschwindet diese mehrere hundert Kilometer lange Piste wieder. Aufnahme: Richard Löwenherz

    (2) Auch im kontinental geprägten Sibirien sammeln sich im Laufe des Winters große Schneemengen an. Aufnahme: Richard Löwenherz

    (3) Frisch verschneite Winterstraße auf dem gefrorenen Ob im Westen Sibiriens. Der Schnee wird häufig nur festgefahren. Aufnahme: Richard Löwenherz

    (4) Erst, wenn sich mehrere Zentimeter Neuschnee gesammelt haben, rücken die Räumfahrzeuge aus. Aufnahme: Richard Löwenherz

    (5) Schneedrift im russischen Norden sorgt auch auf asphaltierten Straßen für Behinderungen im Straßenverkehr. Aufnahme: Richard Löwenherz

  • Straßen aus Eis
    04.02.2013 08:07

    Schnee und Eis lassen in Deutschland oft große Probleme im Straßenverkehr entstehen, in einigen Gebieten des Nordens ist damit erst die Grundvoraussetzung für eine fahrbare Straße geschaffen. Winterliche Verhältnisse, die bei uns als Katastrophe gelten, sind in Ländern wie Russland, Kanada und Alaska alljährlich und über mehrere Monate Normalzustand. Hier macht man sich die kalte Jahreszeit zum Vorteil und baut Straßen über gefrorene Seen, Flüsse, Sümpfe und Meeresbuchten, um Orte anzubinden, die sonst nur mit dem Schiff oder Flugzeug erreichbar sind.

    Vor allem der russische Norden und große Teile Sibiriens sind im Sommer von der Außenwelt abgeschnitten, also auf dem Landwege nicht erreichbar. Die häufig von November bis April angelegten Winterstrassen werden daher von der lokalen Bevölkerung als Lebensader verstanden, denn jeder, der ein Fahrzeug besitzt, ist dann in der Lage, die Nachbarorte oder auch entfernte Städte zu besuchen. Leitbahnen der wichtigen Winterstraßen sind oft die großen Ströme, die im Sommer von den Schiffen befahren werden. Aber auch quer durch die versumpfte Taiga und Tundra werden in der kalten Jahreszeit Fahrwege geschaffen, die im Sommer im Schlamm oder Wasser versinken würden.

    Dabei wird in der Regel eine dem Relief optimal angepasste Streckenführung ausgewählt und im beginnenden Hochwinter vom ersten Schnee befreit. Bei entsprechender Frequentierung wird folgender Schnee dann einfach von den Fahrzeugen festgefahren. Nur in größeren Abständen, wenn sich zu viel Schnee angesammelt hat, werden je nach Wichtigkeit der Straße auch Räumfahrzeuge eingesetzt. Auf einigen wichtigen Winterstraßen in der Tundra hingegen ist der Winterdienst öfter im Einsatz: um Schneeverwehungen zu beseitigen und – hierzulande undenkbar – sie mit Wasser zu begießen, damit sie optimale Fahreigenschaften bekommt. Die russischen Trucks sind dennoch ohne Spikes und Schneeketten unterwegs...

    Es gibt aber auch Winterstraßen, die direkt über das Eis gefrorener Seen, wie dem Baikalsee, oder über gefrorene Meeresbuchten führen, sofern sich dort starkes Festeis gebildet hat. Auch auf der gefrorenen Ostsee gibt es regelmäßig offizielle Winterstraßen, die einige bewohnte Inseln mit dem Festland verbinden. So zum Beispiel zwischen Estland und den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa sowie in ganz harten Wintern, wenn das Eis eine genügend große Ausdehnung erreicht hat, auch zwischen Finnland und den Aland-Inseln. In Estland wird die Eisstraße eröffnet, wenn das Eis eine Mindestdicke von 25 Zentimetern hat. In den vergangen Wintern war dies wiederholt der Fall, in diesem Jahr scheint das Eis jedoch noch nicht genug gewachsen zu sein – nach der Eisanalyse des Finnischen Meteorologischen Instituts sind zur Zeit nur 10 bis maximal 25 Zentimeter vorhanden.

    By: Richard Löwenherz